Scham
Ich sitze im Cafeteria-Bereich meines Autohändlers und warte, bis der Reifenwechsel fertig ist.
Ich habe es mir mit einem Kaffee gemütlich gemacht und beobachte die Umgebung. Um mich herum ist geschäftiges Treiben – Kunden kommen und gehen, Mitarbeiter wuseln im Verkaufsraum wie fleißige Ameisen und in der Werkstatt sieht man das gleiche Bild. – Die Cafeteria ist eine Insel der Ruhe inmitten dieses bunten Treibens.
Ich beschließe, mir einen zweiten Kaffee zu holen und mache mich auf den Weg zur Kaffeemaschine. Dort ist bereits ein Rollstuhlfahrer, der sichtlich Probleme hat, sich einen Kaffee zu ziehen. Ich frage ihn, ob ich ihm helfen darf. Er hat mein Angebot gerne angenommen.
Der Kaffee ist in der Tasse und man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass er die Tasse mit dem Kaffee nicht ohne erhebliche Probleme an den Tisch bekommen hätte. Um nicht zu sagen: gar nicht. Also frage ich ihn, ob ich ihm den Kaffee an den Tisch bringen darf. Er reagiert verblüfft, fast erschrocken: „Ich hätte nie gewagt, Sie das zu fragen.“
Ich antworte ihm, dass ich mich auch habe überwinden müssen, um ihm dieses Angebot zu unterbreiten. Ich hatte Sorge, dass ich ihn damit mit seiner Behinderung konfrontiere.
„Einfach fragen.“, sagte er, „Es gibt Rollstuhlfahrer, die nehmen Hilfe an, und es gibt welche, die wollen keine Hilfe.“
Damit trennten sich unsere Wege. Aber wir waren beide glücklich.
Was hat das mit Scham zu tun?
Scham ist eine Emotion, die oft verborgen bleibt. Sie zeigt sich selten laut, vielmehr schleicht sie sich leise in unser Inneres – in Gedanken wie: „Bin ich gut genug?“, „Darf ich das?“, oder „Was denken die anderen über mich?“
In meiner Begegnung mit dem Mann im Rollstuhl war die Scham auf beiden Seiten spürbar. Er schämte sich für die Bitte um Hilfe, ich schämte mich fast, sie überhaupt anzubieten. Zwei Menschen – beide gefangen in einer Unsichtbarkeit. Nicht, weil Hilfe oder Schwäche etwas Falsches wäre, sondern weil wir gelernt haben, dass wir stark, selbstständig, unabhängig sein „müssen“.
Scham zeigt uns unsere verletzlichsten Punkte. Sie berührt das Gefühl, nicht richtig, nicht würdig oder nicht willkommen zu sein. Und gleichzeitig ist Scham ein Tor. Ein Tor zu unserer Menschlichkeit. Denn dort, wo wir uns schämen, dort spüren wir auch, wie sehr wir uns nach Annahme sehnen – nach der Annahme durch andere, aber vor allem nach der Annahme durch uns selbst.
Scham will nicht, dass wir uns verstecken. Scham möchte uns erinnern, dass wir längst angenommen sind – vom Leben, vom Licht, von der Liebe selbst. Sie wird leichter, wenn wir ihr ins Auge blicken, wenn wir uns trauen, sie sanft ans Licht zu holen und sie nicht länger in den Schatten verbannen.
Und dann geschieht etwas Wunderbares: Aus der Scham kann Mitgefühl wachsen. Aus der Enge der Selbstverurteilung entsteht ein Raum, in dem wir uns selbst und anderen mit mehr Weichheit begegnen.
Vielleicht erkennst du dich in dieser Geschichte wieder. Vielleicht kennst du diese Stimme, die dir zuflüstert: „Ich darf das nicht. Ich sollte besser nichts sagen. Ich könnte mich blamieren.“ Genau dort beginnt der Weg: Nicht indem du die Scham verdrängst, sondern indem du ihr liebevoll zuhörst – und dich daran erinnerst, dass du mehr bist als dieses Gefühl.
Wenn du spürst, dass dich die Scham noch oft gefangen hält, dann lade ich dich ein, dich von mir begleiten zu lassen.
✨ Gemeinsam schaffen wir einen Raum, in dem du deine Scham nicht länger als Last tragen musst, sondern als Tor zu deiner inneren Stärke erkennst.
✨ Ich helfe dir, die Muster zu durchbrechen, die dich klein halten – behutsam, klar und in Verbindung mit deiner Seele.
✨ Und ich erinnere dich daran, dass du längst genug bist
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